Rolf Hamacher bestätigte es mir gestern früh bei einer Pressevorführung: Der Filmpalast auf dem Hohenzollernring hat aufgegeben. So schnell kanns gehen, vor zwei Wochen war ich noch in der Pressevorführung des neuen Jennifer-Aniston-Films, und am 28. März fand die letzte Vorstellung statt.
Eine Katastrophe, aber jede Stadt hat die Kinos, die Kinokultur, die sie verdient. Wo war der Aufschrei der Öffentlichkeit, wo eine Unterschriftenliste gegen das Aus? War ich der Einzige, den mit dem lieben alten Kasten zahllose schöne Filmerlebnisse in der Kindheit verbanden? Man muß es klar sagen: Den Kölnern waren ihre Kinos schon immer weitgehend wurscht, traurig aber wahr in dieser sogenannten Medienstadt, Köln bezog seine einstige exponierte Stellung auf dem westdeutschen Kinomarkt aus der schlichten Größe der Beinahe-Millionenstadt, aber nicht aus eigentlicher Filmbegeisterung, von einigen cineastischen Minderheiten abgesehen.
Was sich seit meiner Kindheit indes nicht geändert hatte: die Unfreundlichkeit des Personals. Man muß es leider sagen, der Filmpalast bzw. zuvor Ufa-Palast war auch hinsichtlich seines kauzigen Personals ein typisches Kölner Kino, da hatte sich über 30 Jahre lang nichts geändert. Schon an der Kinokasse konnte einem manchmal die Lust aufs Kino vergehen. Und zuletzt, als ich im ehemaligen Atelier, dem Ufa-Saal Nummer Soundso, einen Flm sah, kam erstmal eine halbe Stunde Werbung, dann eine Viertelstunde Pause, der Vorführer hatte uns glatt vergessen. Dann ging jemand sich beschweren, kam zurück, es werde bald losgehen, rief er hoffnungsvoll, dann nach einer Weile ging tatsächlich das Licht wieder aus, aber erstmal Trailer, und dann begann der Film. Wirklich, als ob man sein Publikum mit Gewalt vertreiben wollte!!! Der Geschäftsführer des Kölner Cinedom hat leider Recht, als er angeblich meinte, es sei imgrunde erstaunlich, wie lange der Palast noch durchgehalten habe.
Insgesamt hat er fast 80 Jahre lang durchgehalten, 1931 wurde er als Ufa-Palast eröffnet, mitten in der großen Weltwirtschaftskrise (die haben wir nun wieder, wenn auch anders). Zeitweise war es das größte Kino im Westen Deutschlands, später dann unter Heinz Riech das größte sogenannte Kinocenter mit 13 Sälen und 2.513 Sitzen. Nach der Ufa-Pleite 2002 (auf der Produktionsebene gibt es noch ein paar Pseudo-Ufas) übernahm Cinestar das Haus, die Sanierung, die angeblich erforderlich war, konnten sie nicht allein stemmen. Um Fördermittel der Stadt haben sie sich vermutlich erst gar nicht bemüht, in Köln gilt Kino ja, wie allgemein bekannt, als nicht förderungswürdig. Gefördert wird nur hirnloser Schrott wie Soap-Produktionen etc. fürs Fernsehen, weil das Steuereinnahmen bringt. - Unsere ausländ. Mitbürger bzw. Mitbürger mit Migrationshintergrund werden das Kino auch vermissen, denn zuletzt liefen auch viele türkische Streifen. Was mir bleiben wird, sind außer zahllosen wunderschönen Erinnerungen meine Kinokartensammlung, die ich in teuren Briefmarkenalben sorgfältig aufbwahrt habe. In der nächsten FILM MÄG-Ausgabe werde ich ein paar der schönsten abbilden und einen Nachruf veröffentlichen. (fb)